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„Traut Euch aus dem stillen Kämmerlein“Samstag, 20. Oktober 2001

Ralf Paprotta aus Raesfeld fördert Literatur-Nachwuchs
Raesfeld • Nein, vergebens ist er am vergangenen Wochenende nicht zur Frankfurter Buchmesse gefahren. Obwohl: Ein wenig anders hatte sich der Raesfelder Ralf Paprotta das renommierte Literatur-Ereignis schon vorgestellt. Denn eigentlich wollte der ehrenamtliche Lektor und Pressereferent des Bundesverbandes junger Autorinnen und Autoren (BVjA) in Frankfurt die erste Plattform präsentieren, die sich ausschließlich um die Texte, die Fragen und die Situation von Nachwuchsliteraten kümmert.
Die derzeitige politische Situation machte dem ambitionierten Vorhaben indes einen Strich durch die Rechnung: Da sich der Vertag „Amundio AG“, an dessen Stand der BVjA sein Projekt vorstellen sollte, aus Angst vor möglichen Terroranschlägen zurückgezogen hatte, musste Ralf Paprotta mit seinen Kollegen als „Untermieter“ aus finanziellen Gründen auf Sparflamme fahren. Dennoch konnte das Nachwuchsautoren-Forum für einen Paukenschlag sorgen: In einer Spontanlesung lasen sieben Autoren des BVjA ihre Texte aus der gerade erschienenen Anthologie „Sechzig-Stunden-Woche“. „Obwohl wir keine Mikrophone dabei hatten, war es rappelvoll“, ist der 36-jährige Raesfelder stolz auf die improvisierte Lese-Aktion.
Kreatives Schreiben
Anfang des Jahres hatten BVjA und Ralf Paprotta, der vor einem Jahr an der Josef-Schule das beispielhafte Seminar „Kreatives Schreiben“ angeboten hatte (wir berichteten), den Wettbewerb für die Anthologie ausgeschrieben. Junge Autoren aus ganz Deutschland nahmen teil, der Raesfelder und sein Team mussten Hunderte von Texten korrigieren und redigieren. Inzwischen ist das Buch als „Book on demand“ in Zusammenarbeit mit dem Online-Anbieter „books again“ über den örtlichen Buchhandel zu bestellen, bald wollen einige der Nachwuchs-Schriftsteller gemeinsam auf Lesereise gehen.
Seit 1987 besteht der Bundesverband mit seinen 600 Mitgliedern zwischen 14 und 33 Jahren, seit 1988 sitzt der 36-jährige Ralf Paprotta mit im Boot. Der Verband organisiert Fördermittel, gibt ein eigenes Literatur-Magazin heraus, ist schwer im Online-Bereich aktiv, veranstaltet Text-Workshops und Seminare, listet Wettbewerbs-Ausschreibungen auf, gibt Tipps, wie Autoren an Verlage kommen, allerdings: „Wir können nur Hilfesteilungen geben, wollen keine Autoren an Verlage vermitteln“, sagt der 36-jährige. 50 Mark pro Jahr kostet die Mitgliedschaft für Autoren, die sich auf allen literarischen Feldern tummeln: Prosa, Lyrik, Drehbücher, Theaterstücke oder Kindergeschichten - erlaubt ist, was gefällt, was der kreative Output hergibt. „Traut Euch aus dem stillen Kämmerlein“, ruft Ralf Paprotta junge Autoren auf.
Der selbstständige Medien- und PR-Berater für Computerthemen schreibt selbst seit seinem 18. Lebensjahr. Bereits während seines Studiums der Klassischen Philologie, Philosophie, Linguistik und Germanistik in Bochum und Berlin lag Ralf Paprotta der literarische Nachwuchs am Herzen, kein Wunder, dass er im Bundesverband “ein spannendes Nebentätigkeitsfeld für sich entdeckte.
Und wer weiß: Vielleicht haben dem 36-jährigen die Tipps, die er an jüngere weitergibt, in Frankfurt selbst geholfen. Der Raesfelder hat auf der Frankfurter Buchmesse bei einigen Verlagen vorgefühlt, ob er nicht eine Kinderbuchreihe bei ihnen veröffentlichen kann. Der Ehemann und Vater hat nämlich ein paar Kinderbücher-Manuskripte in der Schublade, „lustige Sachen, ohne erhobenen Zeigefinger“, mit den drei Hauptfiguren Rocky, Zocky und Klaus, die so einiges an spannenden Abenteuern erleben • Michael Klein

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