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Geschichten aus dem KofferFreitag, 21. Januar 2005

Ralf Paprotta weckt als reisender Referent die Freude am Lesen und Schreiben in Schulen
Eggert
RAESFELD/DORSTEN • Eine schummerige Bar. Ein Bündel Banknoten. Ein Auto, das mit quietschenden Reifen davonprescht. Geschichten lassen sich ganz locker niederschreiben. Es kommt nur auf den richtigen Anstoß an.
Ralf Paprotta lenkt Gedankengänge mit leichter Hand. Hier ein kreativ gestalteter Schuhkarton, dort ein paar Würfel mit Symbolen. Mit einfachen Mitteln nimmt er Schüler und Lehrer gleichermaßen gefangen, bringt Spaß in den zuweilen drögen Deutschunterricht nach Lehrplan.
Selbst schreibunwillige Schüler bekommen glänzende Augen, wenn Paprotta (sein Spielzeug aus seinem alten Reisekoffer) auspackt: „Man muss die Fantasie anregen“, meint der 39-jährige Raesfelder schlicht, der hauptberuflich als Kommunikationsberater tätig ist.
Kreatives Schreiben
Daneben beschäftigt sich der Bücherfreund mit kreativem Schreiben. Als Referent trat er schon bei diversen Seminaren auf. Sein Konzept ist sehr gefragt: Lehrer werden zu Schülern, lernen spielerische Instrumente für ihren Unterricht kennen, um die Begeisterung schläfriger Zöglinge für das geschriebene Wort zu wecken.
Paprottas Aktivitäten blieben der Landesarbeitsgemeinschaft Jugend und Literatur nicht lange verborgen. Seit 2003/04 ist der Raesfelder denn auch als Referent für die LAG tätig. Ziel der Arbeitsgemeinschaft ist die Lese- und Literaturförderung auf breiter Basis.
Konzept entwickelt
Seit PISA wird dem geschriebenen Wort mehr Bedeutung als je zuvor beigemessen. Die Lese- und Schreibkompetenz der nordrhein-westfälischen Schüler, jetzt noch bestenfalls mittelmäßig, muss unbedingt verbessert werden. Ralf Paprotta entwickelte ein Konzept, das mühelos schon im Grundschulunterricht eingebaut werden kann. Sein Credo: “Kreatives Schreiben sollte fester Bestandteil des Deutschunterrichts sein. Das ist gar nicht so kompliziert, wie es sich anhört“, schmunzelt der 39-Jährige.
In seinem Koffer transportiert er die Utensilien, die den Schülern als Werkzeug für guten Schreibstoff dienen. Besagter Schuhkarton ist zum Beispiel dabei, für jüngere Kinder auch ein paar Playmobil- und Legofiguren oder Ritterschwert und Turnierbekleidung.
Paprotta gestaltet Lesenächte an Schulen, aber auch Unterrichtseinheiten mit. Die Ausgestaltung des Schuhkartons überlässt er den Schülern: Sie verpassen ihm ein Sichtfenster, dazu ein Ambiente, das aufgemalt wird. Als Stilmittel für einen Krimi hält eine schummerig gehaltene Bemalung her, ein paar dahingeworfene Monopoly-Geldscheine und aufgeblendete Autoscheinwerfer einer da-vonrasenden Limousine bilden die Kulisse für spannenden Erzählstsoff.
Und tatsächlich schafft Paprotta damit, was Lehrer manchmal nicht vermögen: Die Fantasie der Kinder anzustacheln, damit sie ihre Ideen zu Papier bringen. Dem 39-Jährigen gehen die Vorstellungen nicht aus, mit welchen einfachen Mitteln man zu Werke gehen kann, um einen lebendigen Deutschunterricht zu gestalten.
Auf der Pirsch
Nützlich ist zum Beispiel auch eine Sofortbildkamera, mit der die Schüler in der Schule auf die Pirsch gehen, um Momentaufnahmen auf Fotopapier zu bannen. Aus den einzelnen Sequenzen entwickeln sie dann Geschichten, die später auch als Hörcassetten besprochen und in Umlauf gebracht werden können. Ralf Paprotta ist zu allen Abenteuern bereit. Das Gute: Schulen können ihn über die LAG als „Paket“ buchen. Dann kommt er mit allem Drum und Dran vorbei. • eng

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